Mennoniten-Brüdergemeinde

Menno Simons

Mennoniten sind eine evangelische Glaubensgemeinschaft, die aus den Täuferbewegungen der Reformationszeit hervorgegangen ist. Der Name leitet sich von dem aus Friesland stammenden Theologen Menno Simons ab. Geschichtlich eng mit den Mennoniten verbunden sind die ebenfalls täuferischen Hutterer, die bereits in den 1530er Jahren entstanden, und die Amischen, die sich in den 1690er Jahren im Südwesten Deutschlands, im Elsass und der Schweiz von den Mennoniten abgespalten haben. In einigen Regionen sind Mennoniten auch als Alttäufer, Altevangelisch Taufgesinnte (in der Schweiz) oder Doopsgezinde (niederländisch für Taufgesinnte) bekannt.

Zusammen mit anderen gehören die Mennoniten zu den sogenannten historischen Friedenskirchen. Gemeinsames Merkmal ist das Festhalten am Pazifismus des Urchristentums, die Verweigerung des Kriegsdienstes und die Förderung des Friedens.

Die Mennonitischen Brüdergemeinden (englisch Mennonite Brethren) sind pietistisch beeinflusste Gemeinden und Gemeindeverbände innerhalb der mennonitischen Konfessionsfamilie. Die ersten Mennonitischen Brüdergemeinden entstanden nach 1860 als Reformbewegung unter den in der Ukraine und Russland siedelnden Russlandmennoniten. Eine große Rolle spielte hierbei der aus Württemberg stammende Pietist Eduard Wüst. Auch die Herrnhuter haben die Entstehung der Mennonitischen Brüdergemeinden theologisch mit beeinflusst. Nach der Mennonitischen Auswanderung nach Nordamerika entstanden auch dort größere Gemeinden und Gemeindeverbände. Inzwischen finden sich in etwa 20 Ländern Mennonitische Brüdergemeinden. Weltweit wird ihre Zahl auf etwa 300.000 geschätzt.

Bei den russlanddeutschen Aussiedlern des mennonitisch-baptistischen Spektrums handelt es sich um eine besondere, sich vornehmlich aufgrund ihrer spezifischen freikirchlichen Traditionen von anderen russlanddeutschen Aussiedlern unterscheidende Einwanderergruppe. Ihre historischen Wurzeln liegen in der frühneuzeitlichen Täuferbewegung, dem westpreußischen und dem russlanddeutschen Mennonitentum sowie dem russischen und sowjetischen Freikirchentum. Freikirchlich-geprägte Aussiedler organisierten seit dem Beginn ihrer Einwanderung in die Bundesrepublik ab etwa 1971 hunderte von Gemeinden unterschiedlichster religiöser Ausrichtung. Ein Anschluss an bestehende bundesdeutsche Mennoniten- oder Baptisten-Gemeinden fand in der Regel nicht statt. Einen historischen Höhepunkt fand diese Entwicklung während der 1990er Jahre, als mehrere Hunderttausend Aussiedler, darunter auch zehntausende freikirchlich-orientierte Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion in die Bundesrepublik zogen. Mennonitische und baptistische Gemeinden entstanden dabei vor allem in Nordrhein-Westfalen, wo es insbesondere in Ost-Westfalen zu einer einzigartigen Verdichtung von freikirchlich-taufgesinnten Gemeinschaften, Werken, Verlagen und Bildungsinstitutionen kam. Schätzungsweise 400.000 Bundesbürger besitzen derzeit einen russlanddeutsch-mennonitisch-baptistischen Familienhintergrund. Von diesen gehören maximal 290.000 einer Gemeinde aus dem weitgefassten mennonitisch-baptistischen Spektrum an. Besonders schnell wuchsen infolge dieser Zuwanderungswelle Versammlungen der Mennoniten-Brüdergemeinde sowie Gemeinden der Evangeliumschristen-Baptisten. Einige dieser Gemeinden pflegen einen eigenständigen, äußerst konservativen Frömmigkeits- und Heiligungsstil, der sich von der Hauptrichtung des bundesdeutschen Evangelikalismus zum Teil erheblich unterscheidet. Migrations- und konfessiongeschichtlich sind die freikirchlichen Aussiedler der siebziger bis neunziger Jahre aufs engste mit der Geschichte der im Verlauf des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verbrachten, vertriebenen oder geflohenen russlanddeutschen und westpreußischen Mennoniten verbunden. Gerade die Konzentration freikirchlicher Aussiedler beispielsweise in Teilen Nordrhein-Westfalens ab den 1970er Jahren ist ohne die Geschichte dieser nach 1945 entstehenden Flüchtlingsgemeinden westpreußisch-russlanddeutscher Prägung kaum verständlich.

Entnommen aus: Wikipedia, der freien Enzyklopädie. Artikel: „Mennoniten“ (Link), „Mennonitische Brüdergemeinden“ (Link) und „Historische Friedenskirchen“ (Link)
Empfehlenswerte Internetseite zur Täufergeschichte im Allgemeinen und zu „Russlanddeutschen Aussiedler-Gemeinden“ (Link)